Friseureinrichtungen: 10 Tipps zur Barrierefreiheit als Wettbewerbsvorteil

Im Alltag gibt es zahlreiche Barrieren für Menschen mit Behinderungen. Auch ein Friseurbesuch kann anstrengend oder sogar unmöglich sein, wenn der Salon und die Friseureinrichtung nicht ungehindert erreichbar sind. Als Unternehmer sind Sie in Deutschland nicht verpflichtet, Barrierefreiheit herzustellen. Doch Friseure sollten das Thema als Chance sehen, durch ein noch attraktiveres Ladengeschäft weitere Kunden zu gewinnen.  Eine barrierefreie Saloneinrichtung kann also ein klarer Wettbewerbsvorteil sein.

Rampe für barrierefreien Zugang zum Friseursalon

Machen Sie Ihren Friseursalon barrierefrei, beispielsweise mit einer Rampe zum Eingang

In Zukunft werden Ladengeschäfte, die ohne Erschwernis zugänglich sind, immer wichtiger. In unserem letzten Artikel über Barrierefreiheit haben wir bereits dargestellt, dass Deutschlands Gesellschaft altert. Die Konsequenz: Salons müssen sich auf ältere, zum Teil gehbehinderte Kunden einstellen.  Um diese anzusprechen, lohnt es sich bei der Planung oder Modernisierung auf Barrierefreiheit zu setzen. Durch Umbauten und clevere Lösungen, können Sie Ihren Salon für Menschen mit Behinderungen attraktiv machen.

Was bedeutet barrierefrei?

Um Barrierefreiheit geht es in § 4 des deutschen Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen:

„Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“

Ihr Ziel bei der Gestaltung eines Friseursalons sollte also sein, Menschen mit Behinderungen eine größtmögliche Unabhängigkeit zu bieten und ihren Komfort zu erhöhen, damit sie sich – wenn möglich – ohne fremde Hilfe frei bewegen können.

Durch clevere Lösungen können Sie vor und in Ihrem Geschäft Barrieren abbauen. Bei einigen Maßnahmen bedarf es umfassender Umbauarbeiten – andere lassen sich einfach verwirklichen:

  1. Großzügige Parkplätze

Bieten Sie Ihren Kunden wenn möglich extra breite Parkplätze an. Sie erlauben es Menschen mit Gehbehinderung, die Autotüren möglichst weit zu öffnen, um gut ein- und aussteigen zu können. Auch für das Ein- und Ausladen von Rollstühlen oder Kinderwagen wird viel Platz benötigt.

  1. Briefen Sie Ihr Personal

Für Ihr Personal sollte es selbstverständlich sein, Kunden mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen zu helfen. Doch anstatt forsch anzupacken, sollten Sie immer erst fragen, ob Hilfe benötigt wird und erwünscht ist.

  1. Rampen als Alternative zu Treppen

Treppen, die zum Eingang führen, erschweren das Betreten Ihrer Räumlichkeiten. Idealerweise bauen Sie eine Rampe vor Ihren Salon, die von Rollstuhlfahrern, Familien mit Kinderwagen und Menschen mit Gehhilfen genutzt werden kann. Ist dies nicht möglich, können Sie zum Beispiel auf einen stufenlosen Hintereingang aufmerksam machen. Eine Alternative ist eine mobile Rampe, die allerdings hochwertig, nicht wacklig und nicht zu steil sein darf. Wenn Sie einen Friseursalon neu bauen und eröffnen, ist ein ebenerdiger Eingang in Bezug auf Barrierefreiheit die beste Wahl.

  1. Handläufe als nützliche Hilfe

Häufig lassen sich einige Stufen nicht vermeiden. Um gehbehinderten Personen den Zugang zu erleichtern, sollten Treppen immer mit Handläufen ausgestattet sein. Sie können auch kleinen Kindern eine nützliche Hilfe beim Treppensteigen sein. 

  1. Reduzieren Sie Barrieren im Salon

Durch Umbaumaßnahmen entfernen Sie Hindernisse in Ihren Räumlichkeiten. Schwellen lassen sich „tieferlegen“, so dass der Fußboden eine ebene Fläche bildet. Durchgänge sollten mindestens 90 Zentimeter breit sein, damit sie von Rollstuhlfahrern und Personen mit Gehhilfe ungehindert passiert werden können. Türen, die automatisch öffnen, sind eine tolle Lösung für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

  1. Schnell und einfach im Warte- und Frisierbereich Platz schaffen

Wenn Ihr Friseursalon weiträumig ist, lassen Sie im Wartebereich genügend Fläche für einen Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator. Im Friseurbereich sollten die Stühle nicht fest installiert sein, damit man sie schnell und einfach zur Seite schieben kann, um den Platz vor einem Spiegel für einen Rollstuhl frei zu machen.

  1. Höhenverstellbare Waschbecken

In vielen Salons sind Stühle oder Stuhloberteile an Waschbecken fest installiert. Nutzen Sie stattdessen höhenverstellbare Produkte ohne feste Sitzgelegenheiten, so dass ein Stuhl schnell beiseite geräumt werden kann. Ihre Kunden können dann im Rollstuhl bleiben und trotzdem das Haarewaschen genießen.

  1. Sanitäre Anlagen für Kunden?

Für das Personal müssen Sie als Friseur Toilettenräume mit Waschbecken zur Verfügung stellen. Doch Ladengeschäfte sind nicht verpflichtet, auch Kundentoiletten anzubieten. Wenn Sie für Ihre Kunden sanitäre Anlagen bereitstellen, können Sie diesen Bereich ebenfalls barrierefrei gestalten, um allen Besuchern den Gang zur Toilette zu ermöglichen.

  1. Glastüren als potentielle Gefahr

Glastüren wirken edel, können für Sehbehinderte und kleine Kinder aber zur Gefahr werden. Daher sollten Sie Glas immer mit Sicherheitsmarkierungen kennzeichnen.

  1. Achten Sie auf die Gestaltung

Je kleiner Informationen und Preisschilder gedruckt werden, umso schlechter können sie Menschen mit Sehbehinderungen lesen. Im ungünstigsten Fall werden sie gar nicht wahrgenommen. Achten Sie daher bei der Gestaltung Ihrer Auszeichnungen auf eine ausreichende Schriftgröße.

Mit einer barrierefreien Saloneinrichtung können sie werben und viele neue Kunden ansprechen. Vergessen Sie nicht, die Angaben zur Barrierefreiheit auch auf Flyern, Plakaten oder Ihrer Webseite anzugeben. Gegenüber anderen Mitbewerbern schaffen sie sich so ein Alleinstellungsmerkmal.

Dieser Beitrag wurde in Im Salon veröffentlicht.

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